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Ausgabe 03/2003

Wenn Sie jetzt fragen, wieso Sie noch nie einen Lowther-Treiber in einer seriengefertigten High-End-Box gesichtet haben, dann habe ich einige teil. provokative Antworten für Sie. Ersten.: Lowther-Treiber gelten als kompliziert, schwer beherrschbar und rein mess-technisch nicht als das Gelbe vom Ei. Zweitens: Für Lowther geeignete Schallführungen können Schreiner in den Wahnsinn treiben, führen mindestens aber zum Ausstellen von Gehäuserechnungen, die den Besteller in den Wahnsinn treiben. Drittens: Lowther-Chassis sind extrem teuer, extrem empfindlich und kommen aus einer Fertigung, die lieber Tee trinkt, statt extreme Toleranzen einzuhalten. Viertens: Die beliebten subsonischen Bassanteile führen beim Lowther zu Auslenkungen, für die er nicht gebaut ist. Fünftens: Lowther-Treiber sehen scheiße aus, weil Highender gelbe, schwarze oder alufarbene Membranen bevorzugen. Sechstens: Lowther werden vor allem von Lautsprecherbastlern verwendet, die für einen Tonabnehmer höchstens 50 Euro ausgeben, und sind deshalb aus Prinzip abzulehnen.

So: Was ich Ihnen eben erzählt habe, ist nur ein winziger Ausschnitt jenes Geschwätzes, das Sie über Lowther hie und da vor den Latz bekommen. Wie immer ist einiges davon schlicht Unfug und einiges davon enthält vielleicht nicht nur ein Körnchen Wahrheit. Also mal der Reihe nach: Lowther baut - übrigens schon verdammt lange - Breitbänder. Und Lowther ist - übrigens schon verdammt lange - Kult. Darüber hinaus besitzen Lowther-Treiber Wirkungsgrad - übrigens verdammt viel davon. So: Das sind die Fakten, auf die Sie sich verlassen dürfen. Beim Rest kommt es schlicht darauf an, was man daraus macht. Ich selbst habe schon mit Lowther bestückte Lautsprecher gehört, die zum Fürchten schlecht waren. Und ich habe Lowther-Applikationen gehört, die waren gut, so verdammt gut, dass man sich wirklich ernsthaft fragen musste, ob der Rest der Boxen-Entwickler seit Jahrzehnten pennt.

Der deutsche Vertrieb Audio Technik in Bad Salzuflen liefert Lowther-Designs sowohl als Fertigbox als auch in Form von vorgefertigten Holzbausätzen aus. Und natürlich sind auch Chassis erhältlich. Zusätzlich werden die Treiber auseinander genommen, in der Neumontage optimiert sowie paarweise selektiert. Darüber hinaus hat sich Lowther-Spezialist Dieter Kirchhoff um die Entwicklung neuer Membranen gekümmert, die von der englischen Fertigung übernommen wurden. Langer Rede kurzer Sinn: Lowther von heute hat mit Lowther von vor zehn Jahren nicht mehr viel zu tun. Dass dieses außergewöhnliche Produkt dennoch intensive Betreuung braucht, steht außer Frage, zumal die resultierenden Lautsprecher nicht einfach irgendwo hingestellt, sondern - eventuell im Teamwork mit einem Subwoofer - liebevoll aufstellungsoptimiert und mit einer passenden Kette kombiniert werden sollten. Stellen Sie sich das Ganze vielleicht vor wie eine kleine, edle Sportwagenschmiede, die ja auch darauf angewiesen ist, dass ihre Kunden das Produkt zu würdigen wissen und damit umgehen können.

Die von uns ausgesuchte Academy ist etwa einen Meter hoch und weist über 40 Zentimeter Gehäusetiefe auf. Wichtigstes Kennzeichen dieses Back-Loaded-Horndesigns ist der Einsatz zweier Treiber und zweier ineinander verschachtelter, recht komplizierter Hornverläufe. Beide Hornöffnungen münden auf der Lautsprecherrückseite, Treiber Nummer zwei sitzt etwas nach hinten geneigt auf der Oberseite der Box, die im Betrieb ohne unterstützenden Subwoofer relativ dicht - weniger als einen halben Meter - vor einer Wand positioniert werden sollte, um den Bass- und Grundtonbereich zu verstärken. In der Academy sind, je nach Geldbeutel und Klanggeschmack, verschiedene Chassisbestückungen möglich; in unserem Fall ergeben ein Lowther PM6A als Front- und ein PM6C als Indirektstrahler eine Nennimpedanz von vier Ohm sowie einen Wirkungsgrad von runden 98 Dezibel, wobei als „sinnvolle" Verstärkerleistung ein (!) bis 40 Watt angegeben werden.

Durch den Einsatz extrem kräftiger Neodymium- und Alnico-Magnete erreichen die Lowthers brachiale Feldstärken im Luftspalt, einige Treiber benutzen sogar acht Kilogramm schwere Antriebe, um die schon unglaubliche Feldliniendichte von 2,4 Tesla zu realisieren. Unter Benutzung von doppelseitig auf den Träger gewickelten Alu- oder auch Silberdraht-Schwingspulen, superleichten Papiermembranen und ziemlich großen Hochtonkegeln gewährleisten die Breitbänder deshalb ohne weiteres einen weit hinaufreichenden Frequenzgang, der den Einsatz von zusätzlichen Hochtönem völlig überflüssig macht. Es ist sicherlich einleuchtend, dass diese Chassis-Exoten, in denen enorm viel Arbeit steckt, ihren Preis haben, der je nach Modell zwischen 300 und 1200 Euro pro Stück angesiedelt ist.

Apropos Verstärkerleistung: Unabhängig davon, welche Art von Messung man bemüht, erweist sich die Academy unter allen hier vorgestellten Lautsprechern stets als der Wirkungsgrad-Champion. Sie ist eines der ganz wenigen Konzepte, bei denen man bereits - Röhrenfreaks, aufgepasst! - mit winzigen Verstärkern von nur ein paar Watt arbeiten kann. In der Praxis benimmt sich die Box auch im Teamwork mit kleinen Transistor-Vollverstärkern anständig, wobei der Autor allerdings Röhren den Vorzug einräumen würde. Dämpfungsfaktoren seitens eines Verstärkers haben solche Hörner nicht nötig, weshalb man genau hier eine natürliche Domäne der inzwischen zahlreichen Eintakt-Röhrenamps sehen darf. Mit den drei Watt einer 2A3 sind bereits Höllenpegel möglich, beim nächtlichen Leisehören beweist die Academy dagegen mit feinstem Ansprechverhalten und in Bezug auf geringe Lautstärke exemplarisch guter Dynamik, dass selbst weit unterhalb der viel beschworenen „Zimmerlautstärke" echter Musikgenuss möglich ist. Dass man auch hier trotz wand- oder ecknaher Aufstellung mit einem eher schlanken, feinziselierten, je doch keinesfalls übertrieben analytischen Klang rechnen muss, ist bei einem relativ klein dimensionierten Horn kein Wunder, wenngleich die Academy so noch keine wirklich relevante Grundtonschwäche offenbart. Problematisch wird's erst dann, wenn die Box weiter weg von der Wand frei im Raum positioniert wird, ein Fall, der förmlich nach Subwoofer-Unterstützung schreit.

Der nach Klipsch-Prinzip gebaute aktive Eckhorn-Subwoofer namens „ATS" ist nun die probate Lösung. Wer sich mit dem Eckhorn-Sub eingehend beschäftigt, dem kommt schnell die provokante Idee, warum, Teufel nochmal, immer noch herkömmliche Woofer aktuell sind ... Bringt der 38er-Treiber im Eckhorn doch mithilfe der Horn-Verlängerung durch die Zimmerwände einen Riesen-Wirkungsgrad, der den Sub mit weniger als einem Zwanzigstel des Leistungsbedarfes üblicher Woofer auskommen lässt. Noch Fragen? Um an die Schnelligkeit der Academy anzuknüpfen, ist ein ebenfalls nach dem Hornprinzip arbeitender Sub ohnehin die einzig vernünftige Lösung, allerdings mit zwei - verschmerzbaren - Nachteilen: Erstens ist eine freie Raumecke hinter der Anlage nötig, zweitens stellt das tief genug hinabreichende Bass-Eckhorn mit 70 Zentimetern Höhe und über 60 Zentimetern Tiefe schon ein ziemliches Klötzchen dar. Doch damit ist auch Platz für luxuriöse Elektronik, alle relevanten Parameter sind präzise einstellbar, zudem stehen Cinch- und Lautsprecherkontakte für Parallelbetrieb zur Verfügung. Dass man die vor allem im Phonobetrieb gerne auftretenden Subsonic-Auslenkungen von einem Lowther fernhalten sollte, leuchtet ein. Auch deshalb sind Röhrenverstärker, die Frequenzen unterhalb von 20 Hertz normalerweise nicht passieren lassen, geeignete Partner.

Mit ihrer bidirektionalen Abstrahlung erzeugt die Academy ein großes, enorm luftiges und losgelöstes Klangbild, welches zu genießen leicht fällt, bevorzugt man den optimalen Hörplatz im Stereodreieck. Wie viel Hochtonanteile ankommen, ist in erster Linie durch mehr oder weniger starkes Anwinkeln des Lautsprechers festzulegen, dessen dynamische Fähigkeiten auf allerhöchstem Niveau liegen. Und wenn es um die Umsetzung feinster Signale geht, spielen die sprichwörtlich empfindsamen Treiber ihre Vorteile klar aus: Hier wird selbst der leiseste Hauch hörbar, übrigens inklusive etwaiger Störspannungen (Rauschen, Brummen) seitens der Elektronik. Die muss exemplarisch sauber laufen, um den Hörer nicht zu Tode zu nerven, ein zur Wärme tendierender (Ketten-)Klang könnte ebenfalls nicht schaden, wirken die Chassis in Bezug auf Präsenz- und Hochtonlagen doch alles andere als geizig. Das Ergebnis ist eine blitzsaubere, detailpräzise Darstellung, die eine enorme Bühne aufbaut und nur am unteren Ende des Frequenzspektrums an Volumen und Pracht einbüßt; da wünscht man sich bisweilen ein kleines Grundtonbäuchlein herbei, um Klangkörpern mehr Fülle zu verleihen. Zum Ausgleich kommt alles staubtrocken und völlig ohne jenen Gehäusesound, den man im direkten Vergleich sogar gelungenen Bassreflex-Designs zuschreiben muss. Fakt ist, das Horn erweist sich als Musterknabe mit Drall und Farbe, dem die früher oft diagnostizierten Lowther-Ausflüge in tonale Abgründe offenkundig mit großem Erfolg ausgetrieben wurden. Dennoch - und vielleicht überraschenderweise - kein Teil für Pegelfanatiker: Wer es diesbezüglich zu bunt treibt, stellt deutliche, hart einsetzende Komprimierungseffekte sowie Glasigkeit fest, ein Effekt, der freilich erst dann auftritt, wenn Vernunftgrenzen überschritten werden.

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So viel steht fest: Die Academy macht nicht mehr und nicht weniger Fehler als andere sehr gute Lautsprecher. Sie spielt mühelos auf High-End-Niveau, besitzt mit ihrem superhohen Wirkungsgrad aber nicht von der Hand zu weisende klangliche Vorteile, eignet sich zudem perfekt als Partner für Röhrenverstärker. Die Zeiten, als HiFi-
Freaks über Breitbänder oder Hörner die Nase rümpfen durften, sind allemal vorbei: Welcome back!

image infos

Lautsprecher Lowther Academy

Prinzip  Breitband-Horn
Bestückung  Lowther PM6AAT und PM6CAT
Nennimpedanz  4 Ohm
Wirkungsgrad  98 dB
Besonderheiten  Zweifachhorn mit Indirektstrahler, Sonderfurniere möglich, auch Holzbausatz erhältlich (Stückpreis 190 Euro ohne Chassis), Minimalversion in Multiplex mit 2 x PM6C ab 1000 Euro/Stück
Maße (B/H/T)  28/100/43 cm
Gewicht  37 kg
Garantiezeit  je nach Chassis 24 bis 60 Monate
Paarpreis  3670 Euro (komplett mit Sonderfurnier)

Subwoofer ATS

Prinzip  Eckhorn, aktiv
Bestückung  38-cm-Innentreiber
Besonderheiten  Aktivmodul SW 2.0
Leistung (8 Ohm)  110 Watt
Maße (B/H/T)  70/72/64 cm
Gewicht  50 kg
Garantiezeit  24 Monate
Preis  1000 Euro

image kontakt

Audio Technik GmbH
Schumannstraße 36
32105 Bad Salzuflen
Telefon 05222/3096
www.lowther.de